Bilsenkraut als Narkotikum und gegen Schmerzen

Bilsenkraut gilt seit jeher als Heilpflanzen, seine wichtigsten Inhaltsstoffe Atropin und Scopolamin entfalten starke bis hin zu giftiger Wirkung auf Gehirn und Nerven. ©Manfred Ruckszio_shutterstock

Bilsenkraut gilt seit jeher als Heilpflanzen, seine wichtigsten Inhaltsstoffe Atropin und Scopolamin entfalten starke bis hin zu giftiger Wirkung auf Gehirn und Nerven. ©Manfred Ruckszio_shutterstock

Das Bilsenkraut – eine der wichtigsten Heilpflanzen der Antike und des Mittelalters mit den wichtigen Inhalsstoffen Atropin und Scopolamin – zeigt Wirkung bei Schmerzen aller Art, Geschwüren und Lungenleiden sowie als Narkotikum und Aphrodisiakum.

Bilsenkraut – Hyoscyamus sp., Solanaceae – gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Bekannte Heilpflanzen sind das Weiße Bilsenkraut (Hyoscyamus albus L.), das Ägyptische Bilsenkraut (Hyoscyamus muticus L.) und vor allem auch das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger L.). Die Wirkung von Bilsenkraut, vor allem auch die Gehirn und und Nerven lähmende Wirkung von Atropin und Scopolamin, kommt heute nur noch selten zur Anwendung. Aufgrund der hohen Giftigkeit sollte man sie keinesfalls als Halluzinogen und Rauschmittel einsetzen.

 



Viele Pflanzen der Nachtschattengewächse – ca. 100 Gattungen mit geschätzten 6000-10000 Spezies – sind von wissenschaftlichem Interesse, weil sie nicht nur pharmakologisch interessante Inhaltsstoffe produzieren, sondern auch als Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. So zählen beispielsweise Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Physalis, Chili, Paprika aber auch Tabak, Tollkirsche, Bilsenkraut, Alraune und Stechäpfel zu den Nachtschattengewächse. Viele dieser Pflanzen sind von pharmakologischem Interesse. Zudem sind sie oft die Basis altbewährter Medikamente zur Behandlung der Reisekrankheit sowie in der Intensivmedizin.

 

Bilsenkraut war ein der wichtigsten Heilpflanzen der Antike und des Mittelalters

Auch das Bilsenkraut gehörte zu den wichtigsten Heilpflanzen der Antike und des Mittelalters. Eingesetzt wurde es bei Schmerzen aller Art, Geschwüren, Lungenleiden, als Narkotikum bei Operationen und als Aphrodisiakum.

Die im Mittelalter sehr bekannte Pappelsalbe (Unguentum Populi), ein beliebtes Schmerzmittel, wurde in allen wichtigen Pharmakopöen aufgeführt und enthielt Pappelknospen, Mohnblätter, Hauswurzblätter, Lattichblätter, Knabenkrautblätter, Alraune, Bilsenkraut, Tollkirsche und Hanf.

Neben der medizinischen Wirkung war das Bilsenkraut, vor allem wegen der Wirkung des Inhaltsstoffs Scopolamin auf Gehirn und Nerven, auch eine der großen heiligen Ritualpflanzen im alten indogermanischen Raum. Die Germanen und Wikinger pflanzten ganze Bilsengärten, die für sie heilig waren. Die Hexen im Mittelalter benutzten das Kraut als Bestandteil in ihren »Flugsalben« oder im »Hexenwein«.

Bilsenkraut: Wirkungen der Inhaltsstoffe Scopolamin, Atropin & Co.

Unter dem Strich sind vor allem die im Bilsenkraut enthaltenen Tropanalkaloide für die Wirkung verantwortlich. Davon als Hauptalkaloide Atropin (Hyoscyamin) und Scopolamin, weiter α- und β-Belladonnin, Tropin, Apoatropin, Atroscin oder Cuskhygrin und weitere.

Die Wirkung beginnt mit körperlichem Unbehagen, dickem, schwerem Kopf, Pupillen­erweiterung. Die anfänglichen Veränderungen des Bewusstseins gehen in Visionen und teils furchterregende Halluzinationen über. Allein das Einatmen des Rauches von gerösteten Samen führt zu einer Steigerung der Geruchs- und Tastempfindungen.



 

Verträglicheit und Sicherheit

Als unerwünschten Wirkungen bei der Anwendung von Bilsenkraut können vor allem Mundtrockenheit, Störung der Nah- und Ferneinstellung des Auges (Akkomodationsstörungen), Herzrhythmusstörungen sowie Probleme bei der Blasenentleerung (Miktionsbeschwerden) auftreten. Schließlich können trizyklische Antidepressiva, Amantadin, Antihistaminika, Phenothiazine, Procainamid sowie Chinidin in manchen Fällen die Wirkung verstärken.


Literatur:

Hedayati A, Hosseini B, Palazon J, Maleki R. Improved tropane alkaloid production and changes in gene expression in hairy root cultures of two Hyoscyamus species elicited by silicon dioxide nanoparticles. Plant Physiol Biochem. 2020 Oct;155:416-428. doi: 10.1016/j.plaphy.2020.07.029. Epub 2020 Jul 24. PMID: 32814278.

Alizadeh A, Moshiri M, Alizadeh J, Balali-Mood M. Black henbane and its toxicity – a descriptive review. Avicenna J Phytomed. 2014;4(5):297–311.


Quellen:

Axel Rindt. Bilsenkraut als Narkotikum und gegen Schmerzen. MEDMIX online 2018

Wirkungen und Inhaltsstoffe von Bilsenkraut. MEDMIX 3/2007

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