Donnerstag, April 25, 2024

Bewegung gegen autosomal dominanter Alzheimer-Krankheit

Wöchentliche Bewegung von mindestens 2,5 Stunden soll gegen den kognitiven Abbau bei genetisch verursachter autosomal dominanter Alzheimer-Demenz wirken.

Für Menschen mit einer genetischen Mutation, die Alzheimer-Demenz auslöst, kann Bewegung beziehungsweise körperliche Aktivität von mindestens 2,5 Stunden in der Woche günstige Auswirkungen auf die Alzheimer-Pathologie im Gehirn haben. Und das kann den kognitiven Abbau verlangsamen, so die Ergebnisse einer rezenten Studie. Möglicherweise gilt das nicht nur für die autosomal dominante Alzheimer-Krankheit (ADAD), sondern trifft gleichermaßen auch auf Menschen mit der häufiger auftretenden Form von Alzheimer-Demenz zu.

Die Wissenschaftler stützen diese Ergebnisse den Nutzen von Bewegung auf die Kognition und in Bezug auf das Fortschreiten der Demenz, selbst bei Menschen mit autosomal dominanter* Alzheimer-Krankheit (ADAD), der seltenen, genetisch bedingten Form der Krankheit, bei der die Entwicklung einer Demenz in einem vergleichsweise jungen Alter zwangsläufig auftritt.

 

Starker Zusammenhang zwischen Bewegung, Kognition und autosomal dominanter Alzheimer-Krankheit

Die Studienautoren sagen, ihre Ergebnisse „zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, Kognition, Funktionsstatus und der Alzheimer-Pathologie selbst bei Menschen mit einer genetisch bedingten autosomal dominanter Alzheimer-Krankheit. Die empfohlene Dauer der Bewegung von mehr als 150 Minuten pro Woche ging einher mit signifikant besseren kognitiven Fähigkeiten und weniger schweren pathologischen Veränderungen durch die Alzheimer-Erkrankung bei autosomal dominante Alzheimer-Krankheit.

Vom Standpunkt des öffentlichen Gesundheitswesens aus, wurde dieser Umfang an Bewegung von 70% aller ADAD-Probanden, die an der DIAN-Studie teilnahmen, erreicht. Eine körperlich aktive Lebensweise ist demnach machbar und kann eine wichtige Rolle dabei spielen, die Entstehung der autosomal dominanten Alzheimer-Krankheit hinauszuzögern und ihr Voranschreiten zu verlangsamen.“

„Die Ergebnisse dieser Studie sind ermutigend und das nicht nur für Menschen mit der seltenen familiär bedingten Alzheimer-Krankheit“, sagt Maria C. Carrillo, Ph.D., Chief Science Officer der Alzheimer’s Association. „Wenn weitere Forschungen diesen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und einem späteren Auftreten von Demenzsymptomen bei ADAD bestätigen, dann müssen wir den Umfang dieser Arbeit erweitern, um zu sehen, ob das auch für die Millionen Menschen mit der häufigeren Form der Alzheimer-Krankheit, die später beginnt, gilt.“

 

Dominantly Inherited Alzheimer’s Network (DIAN)

Prof. Dr. med. Christoph Laske und sein Forschungsteam am Universitätsklinikum Tübingen, Deutschland, analysierten Daten von 275 Personen (Durchschnittsalter 38,4), die eine Genmutation für autosomal dominanten Alzheimer-Krankheit tragen und Teilnehmer des Dominantly Inherited Alzheimer’s Network (DIAN) sind. DIAN ist eine internationale Studie zur Beobachtung von Menschen und Familien mit autosomal dominanten Alzheimer-Krankheit. Diese Studie wird von Forschern der Washington University School of Medicine in St. Louis geleitet.

Die Forscher wollten herausfinden, ob mindestens 150 Minuten pro Woche Bewegung (Gehen, Laufen, Schwimmen, Aerobic usw.) einen Nutzen für die kognitiven Fähigkeiten der Studienteilnehmer erbringen würden. Diese Mindesteinheit entspricht der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation und des American College of Sports Medicine.

Dazu haben die Forschenden 156 Teilnehmer als körperlich sehr aktiv (>150 Minuten körperliche Aktivität/Woche) und 68 als körperlich wenig aktiv (<150 Minuten körperliche Aktivität/Woche) eingestuft. Es gab zwar keine Messung der Übungsintensität. Aber die Art und Häufigkeit der Bewegung hat beispielsweise ein Familienmitglied oder ein Freund übermittelt.

 

Bessere Testergebnisse für die körperlich aktiveren Patienten

Die Forscher stellten fest, dass Personen, die sich körperlich mehr betätigten, beim Mini-Mental-Status-Test (MMSE) und in der Clinical Dementia Rating Sum of Boxes (CDR-SOB), beides anerkannte Messverfahren für die Kognition und das Funktionsniveau, besser abschnitten. Ebenso hatten Personen, die sich körperlich mehr betätigten, niedrigere Biomarkerlevel für Alzheimer im Liquor, wie auch niedrigere Tau-Werte, ein Protein, das sich bei Menschen mit Alzheimer-Demenz im Gehirn bildet. Die Querschnittsstudie hat allerdings nicht die individuellen Entwicklungsverläufe von kognitiven Veränderungen beurteilt.

„Eine körperlich aktive Lebensweise ist machbar und kann eine wichtige Rolle dabei spielen, die Entstehung von ADAD und ihr Voranschreiten zu verzögern. Man sollte Menschen mit einem genetisch bedingten Risiko einer Demenz deshalb dahingehend aufgeklären, dass ein aktiver Lebensstil angestrebt werden sollte“, schlussfolgern die Autoren der Studie.


* Bei einer autosomal dominanten Form einer Krankheit kann man, wenn man das veränderte Gen von einem Elternteil vererbt bekommt, die Krankheit bekommen.


Literatur:

Originalpublikation unter https://doi.org/10.1016/j.jalz.2018.06.3059. Relationship between physical activity, cognition, and Alzheimer pathology in autosomal dominant Alzheimer’s disease


Quelle: http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

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