Guter Vorsatz: Ab Januar Alkoholverzicht – von einer Pause profitiert nicht nur die Leber

Alkoholmissbrauch © africa studio / shutterstock.com

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Die aus England stammende Gesundheitskampagne »Dry January« soll zum bewussten Alkoholverzicht im ganzen Januar motivieren.

Unter dem Strich fließt an Weihnachten und zum Jahreswechsel reichlich Alkohol. Deswegen braucht es eine gute Gelegenheit, um dem Körper danach eine Erholungspause zu verschaffen. Mit „Dry January“ – der ursprünglich aus England stammenden Gesundheitskampagne – soll man den ganzen Januar über bewusst auf einen Alkoholverzicht setzen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) e.V. ruft zur Teilnahme auf. Damit tut man nicht nur der Leber, sondern beispielsweise auch der Bauchspeicheldrüse, dem Magen und dem Darm etwas Gutes.

 

Positive Tendenz beim Alkoholkonsum

In den vergangenen 40 Jahren ist der Alkoholkonsum in Deutschland stetig gesunken. Das betrifft sowohl den Verbrauch insgesamt, als auch die Häufigkeit des Rauschtrinkens, bei dem an einzelnen Tagen deutlich überhöhte Alkoholmengen konsumiert werden. Dennoch liege der für Deutschland ermittelte jährliche Durchschnittsverbrauch laut Alkoholatlas mit elf Litern reinen Alkohols pro Kopf noch immer deutlich zu hoch. Mit dieser Menge, die ungefähr 220 Litern Bier oder 88 Litern Wein entspricht, zählt Deutschland im internationalen Vergleich zu den Hochkonsumländern. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist trotz des insgesamt sinkenden Konsums das punktuelle Rauschtrinken noch immer zu weit verbreitet.

„Viele Menschen sind sich gar nicht im Klaren darüber, dass sich ihr Trinkverhalten bereits in einem problematischen Bereich bewegt“, sagt Professor Dr. med. Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der DGVS und Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Als risikobehaftet gelten für Männer schon Alkoholmengen ab 24 Gramm täglich – das entspricht ungefähr einem Standardgetränk, also etwa einem halben Liter Bier oder einem Glas Wein. Für Frauen liegt die Grenze sogar nur halb so hoch. „Außerdem sollten Männer wie Frauen auf mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche achten“, erklärt Wedemeyer.

 

Wer regelmäßig und langfristig mehr trinkt, riskiert schwerwiegende Folgen für seine Gesundheit

Alkohol ist nicht nur eine Hauptursache für Leberzirrhosen, von der in Deutschland bis zu einer Million Menschen betroffen sind, sondern an der Entstehung von mehr als 200 anderen Krankheiten beteiligt – von Organschäden und Herz-Kreislauf-Krankheiten über psychische Störungen bis hin zu einem erhöhten Risiko für verschiedene Krebsarten.

DGVS-Experte Professor Dr. med. Patrick Michl, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Halle (Saale) befasst sich besonders mit den Auswirkungen auf die Bauchspeicheldrüse (Pankreas). „Hier kann es ebenso wie in der Leber zu einer alkoholbedingten chronischen Entzündung kommen“, erklärt er. Eine chronische Pankreatitis macht sich zunächst durch Bauchschmerzen bemerkbar, geht aber auch mit einem fortschreitenden Funktionsverlust der Pankreas einher. In der Folge können Verdauungsstörungen, chronische Durchfälle oder ein Diabetes mellitus auftreten.

„Eine weitere, besonders gravierende Folge der chronischen Pankreatitis, ist die Entwicklung eines Bauchspeicheldrüsenkrebses “, sagt Michl. Dieser zählt zu den aggressivsten Tumorarten überhaupt. Zudem ist die Behandlung schwer. Schließlich verlauft Bauchspeicheldrüsenkrebs in vielen Fällen innerhalb weniger Jahre tödlich.

 

Alkoholverzicht im Januar

Eine Karenzzeit wie der „Dry January“ bietet nicht nur dem Körper eine Chance zur Erholung. „Vor allem kann er – gerade auch in schwierigen Zeiten wie aktuell der Coronapandemie – als Gelegenheit genutzt werden, das eigene – möglicherweise problematische – Verhältnis zum Alkohol zu überdenken und zu prüfen, ob man dieses verändern sollte “, so Wedemeyer. Im Idealfall führe das zu dem Entschluss, den Konsum auch in den übrigen Monaten des Jahres zu reduzieren. Und nicht sofort in alte Muster zurückzufallen. Denn nur dann könne der „Dry January“ mit dem bewussten Verzicht auf Alkohol im Januar die Gesundheit auch auf lange Sicht positiv beeinflussen.


Quellen:

„Alkoholatlas Deutschland“ Deutsches Krebsforschungszentrum https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/Alkoholatlas-Deutschland-2017_Doppelseiten.pdf

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

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